Film

Der Film Kein richtig falsches Leben von Michael Würfel zeigt mit Humor und ganz nah dran, wie ein Leben in Gemeinschaft aussehen kann – und ist damit der einzige aktuelle Dokumentarfilm dieser Art. Das Ökodorf Sieben Linden ist zwar in Fernsehen und Printmedien präsent und wird mit seinem erfolgreich kleinen ökologischen Fußabdruck bewundert (der nur ein Drittel so groß ist wie der deutsche Durchschnitt (Link zur Quelle)), aber wie herausfordernd so ein nachhaltiges Leben in Gemeinschaft dann doch ist, wird in kurzen Beiträgen und Artikeln natürlich nicht herausgearbeitet. Was genau das Tolle und was das Anstrengende an so einem Leben ist, zeigt Kein richtig falsches Leben.

Während Strukturen, Alltag und Funktionsweisen so einer Mikrogesellschaft eher nebenbei vermittelt werden, bezieht sich der Film entsprechend dem Titel immer wieder auf die Frage: „Wenn sich Menschen die Welt so machen, wie sie ihnen gefällt, sind sie dann wenigstens zufrieden damit?“ – mit verschiedenen Antworten. Entsprechend sind in den letzten Jahrzehnten ja auch nicht die meisten Mitmenschen in Gemeinschaftsprojekte gezogen, Leben in Gemeinschaft ist nach wie vor ein Nischenkonzept. Obwohl doch allein der geringe ökologische Fußabdruck doch sensationell ist. Welche andere Idee, dem Klimawandel zu begegnen, kann solche praxisfähigen Prototypen vorweisen, die wirklich attraktiv sind: Ein Leben unter netten Leute, gesundes Leben, sichere Umgebung, sinnstiftende Beschäftigung.

Möglicherweise ist das Leben in Gemeinschaft noch nicht reif für den Massenmarkt. „Anstrengend“ finden es manche, auf einmal alle Fäden selbst in der Hand zu halten. Und Basisdemokratie kann auch Entscheidungen hervorbringen, gegen die das Tun deutscher Amtsstuben klug und effektiv wirkt. Aber man hat sich ja auch viel vorgenommen: Im Ökodorf Sieben Linden machen Bewohner*innen teilweise die Arbeit, die sonst steuerfinanziert von der Gemeindeverwaltung geleistet wird.

Andererseits entsteht in Sieben Linden ein wunderschönes Dorf, und die dort spürbare Gemeinschaft strahlt ungebrochen attraktiv. Das Leben ist voller Sinn und glücklicher Momente, ein steter Zustrom Interessierter verspricht, die Gemeinschaft immer noch faszinierender zu machen. Kein richtig falsches Leben in Sieben Linden: Während permanent Nachhaltigkeit, gutes Leben und persönliche Freiheit ausbalanciert werden müssen, lässt der Film uns ahnen, was so ein Leben in Gemeinschaft eigentlich bedeutet.

2 Kommentare

  1. Lieber Micha,

    ich liebe deinen neuen Film für seine ehrliche Art und eine Perspektive aufs Dorf, bei der sich für mich nichts „dargestellt“ anfühlt und die auf sympathischste Weise mit so manchen romantischen Vorstellungen vom Ökodorfleben aufräumt. Alles passt auch zu meiner persönlichen Wahrnehmung und ich finde toll, dass du zwar die großen Meinungsverschiedenheiten – besonders in diesen aktuellen Zeiten – thematisierst, der Film selbst aber völlige Neutralität wahrt.

    Größten Respekt für dieses Projekt und ganz ganz liebe Grüße an dich! <3

    Michi (Du kennst mich als "Mick", SiGe-FÖJler Garten&Wald von 2015/16)

  2. Hallo Micha,

    ich habe letzte Woche den Film gesehen und danke Dir sehr herzlich für diese tiefergehenden Einblicke in das Zusammenleben in Sieben Linden. Auch wenn es sicherlich nur punktuelle Eindrücke und Vertiefungen sind, so kann ich mir doch vorstellen, dass sie auszugsweise schon ganz gut für die verschiedensten Aspekte und Herausforderungen des Zusammenlebens in Sieben Linden stehen.

    Ich finde auch den Titel des Films sehr gut gewählt, denn er zeigt, dass natürlich auch so ein Leben nicht ökologisch & sozial „perfekt“ ist.
    Gleichzeitig liegt darin aber vielleicht auch mein einziger klitze-kleiner Kritikpunkt: durch das ehrliche Aufzeigen der teilweise auftretenden Konflikte bzw. Widersprüche erfährt aus meiner Sicht z.B. die ökologisch deutlich bessere Bilanz zu wenig Würdigung. Du erwähnst zwar am Anfang den vergleichsweise deutlich besseren ökologischen Fußabdruck, aber durch das Thema mit den Flugreisen (was ich gut fand, dass es gezeigt wurde) blieb bei mir ein „schales Gefühl“ am Ende – bis ich mich selbst wieder an Kompost-Toiletten, Strohballen-Bauweise etc. erinnerte.
    Was ich damit sagen will: ich finde, ihr habt in Sieben Linden schon das „richtige Leben“ (statt „kein richtig falsches“) – so richtig wie es halt geht, wenn Menschen in Gemeinschaft in der heutigen Welt zusammenkommen – aber ökologisch und sozial ist das Leben in Sieben Linden realistisch betrachtet vermutlich eine der möglichen optimalen Varianten und das dürfte auch in diesem Film ruhig noch ein wenig mehr herausgestellt werden bzw. Würdigung erfahren 🙂
    Das ist aber der einzige, wirklich kleine Kritikpunkt, der meinen Gesamteindruck auch in keinster Weise trübt, denn der Film hat genau das gezeigt, was ich mir erhofft hatte: Einblicke in das Leben und Zusammenleben in Sieben Linden

    Für mich ist das ein „richtig guter“ Film über Sieben Linden – vielen Dank nochmal dafür!

    Vielen Dank auch an all‘ diejenigen, die sich teilweise so schonungslos offen und ehrlich im Film gezeigt und geäußert haben!

    Herzliche Grüße
    Malte

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